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Chronik

Der Kampf gegen die Naturgewalten, vorweg des Feuers und des Wassers, forderte die Bürgerschaft zur Gemeinschaftsleistung, bedurfte aber nicht zuletzt zielgerichteter Organisation, diesen Schicksalsschlägen wirkungsvoll zu begegnen. Es war ein schrecklich langer Weg von der hastig gebildeten Eimerkette, über die ersten Wasserpumpen, Schlauchleitungen und Spritzen zu den wirkungsvollen technischen Löschmöglichkeiten unserer Zeit. Ein neuer Zeitgeist, stark beeinflusst vom Gedankengut des Turnvaters Jahn, ließ die Freiwilligkeit erstrebenswert erscheinen und fand Ausdruck im  heute noch gültigen Leitspruch aller Wehren.

               „ Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr “

Unter diesem Motto trafen sich am 2. September 1910 erstaunlich viele Bürger zur Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Weilmünster. Von der Gründungsversammlung gibt es leider keine Schriftlichkeiten. Es existiert nur ein Protokoll einer Vorstandssitzung 3 Tage später. Die damals gewählten Funktionsträger haben im jungen Verein Geschichte geschrieben.

Kommandant: Landwarenhändler Heinrich Werner
Stellvertreter: Schmied Friedrich Schwarz
Schriftführer: Kaufmann Richard Loew
Kassierer:   Friedrich Wern
Führer der:    
Hydrantenmannschaft:   Josef Zeller
Spritzenmannschaft:   August Schwarz
Rettungsmannschaft:   Friedrich Erbe
Steigermannschaft:   Heinrich Seibel
Hornist (für die Alarmierung):   Polizeiassistent Bausch

Am 9.Februar 1911 wurden von der Gemeinde Helme, Röcke, Gurte und sonstige Bedarfsartikel angeschafft. Im Jahr 1911 fanden 5 Übungen sowie eine Nachtübung statt. Zu den ersten Übungen wurde durch Anzeigen im „Weilboten“ gerufen. Auf der Generalversammlung am 23. Februar 1912 wurde festgestellt, dass die Wehr 1910 von 55 Personen gegründet worden ist. Die Finanzierung wurde durch einen monatlichen  Beitrag von 10,- Pfennig auf erste Füße gestellt. Die Finanzierung durch die Gemeinde verlief nämlich nicht so reibungslos wie heute. Ohne die Spenden von ortsansässigen Versicherungsanstalten hätten unsere Gründer schon größere Probleme gehabt.

Der erste Löscheinsatz war am 23. Juli 1911 in Dietenhausen, damals von der Brandkasse mit einer Löschprämie von 8.- RM honoriert. Am 1. August 1912 das erste Feuer in Weilmünster im Eschbacher Weg auf dem Hof des Bauern Heinrich Weinbrenner. Beim damaligen Einsatz teils gelobt und teils bemängelt, wird zugegeben, und das hat auch heute noch Gültigkeit, es gilt noch vieles zu verbessern. Vier Jahre nach der Gründung raste ein Feuer durch Europa, was selbst die geschulteste Truppe nicht zu löschen vermochte. Viele unserer Mitglieder verlieren ihr leben und ihre Gesundheit, viele sind entmutigt, ob durch den Mangel am notwendigsten oder auch durch die galoppierende Inflation, den erfolgreichen Beginn fortzusetzen.

1920-1930

Erst 1925 finden die „ alten „ Mitglieder zusammen und machen einen neuen Anfang. Am 1. August 1926 findet der Bezirksfeuerwehrtag in Weilmünster statt. Im Jahre 1930 schafft eine gebietsweite Neuorganisation bessere Voraussetzungen für die Brandbekämpfung, Modernisierung des Gerätebestandes und überörtliche Ausbildungsmöglichkeiten. Der Kreis wurde in 9 Unterbezirke eingeteilt. Zum Bezirk Weilmünster gehörten Ernsthausen, Altenkirchen und Audenschmiede, die sich einmal im Jahr zur Übung treffen mussten.

1930-1940

Die große politische Wende im Jahr 1933 findet in der Chronologie des Vereins keine deutbare Erwähnung. Der alte Vorstand bleibt an der Spitze. Bei der Versammlung am 12. März 1934 billigen immerhin 72 Wehrmänner die Satzung. Der langjährige Kommandant Heinrich Werner tritt aus Altersgründen zurück und wird mit viel Lob verabschiedet und einstimmig zum Ehrenkommandanten ernannt. Sein Nachfolger, jetzt als Führer tituliert, wird der Spengler und Wassermeister Karl Jung. Der Führerrat um Karl Jung plant für den 18. und 19. August das 25. jährige Stiftungsfest. Die gelungenen Festtage lassen den damaligen Kassierer Friedrich Lang den stolzen  Betrag von 748.31 RM als Reingewinn vermelden.

Die Ausrüstung der Wehr verbessert sich zunehmend. Der Anschaffung einer Motorspritze, heute sagen wir TS, im Jahr 1934 , folgte ein Jahr später ein Schlauchwagen (Handbetrieben). Ab dem 7. September 1937 enden alle Aufzeichnungen im Protokollbuch und werden erst 15 Jahre später wieder fortgeführt. Das die Seiten entfernt wurden ist naheliegend, denn die Listen der Sterbekasse werden auch während des Krieges genau geführt und sind auch heute noch vorhanden. So erfahren wir zum Beispiel nicht, das 1938/39 ein ansehnliches Spritzenhaus an der „Bulle Station“  gebaut wird. Das alte Spritzenhaus am „Posthaus „ dient dann nur noch als Lager (Bauhof). Kaum hatte sich die Wehr in diesen Jahren auf einen recht hohen Leistungsstand gebracht, tobte ein erneuter Sturm durch Europa, ja die ganze Welt geriet in Aufruhr. Viele der Kameraden wurden in aller Herren Länder verstreut, viele verloren ihr Leben oder ihre Gesundheit.

1950-1960

Nach dem Ende des Krieges dauert es lange bis sich die Ablehnung gegen Uniformen, behördliche Reglementierungen und Dienst über das Notwendige hinaus, gelegt hat. Aus mehr oder weniger mündlicher Überlieferung, wissen wir, das es auch nach dem Kriege, Aktivitäten bei der Feuerwehr gab. Obwohl die nächste Eintragung im Protokollbuch erst vom 7. Juni 1952 datiert. Karl Jung ist weiterhin der Kommandant der Wehr. Zu erwähnen ist aus dieser Zeit, wohl bedingt durch die angesprochene Angst, die mangelnde Bereitschaft, ehrenamtlichen Dienst zu tun. Die darunter leidende Einsatzbereitschaft veranlasste die Gemeinde sogar dazu eine Satzung für eine sogenannte „Hilfsfeuerwehr“ zu beschließen. Zu dieser Einberufung kam es aber nicht, denn Karl Jung und seine Mannen schafften es mit Unterstützung der Gemeinde, an derer Spitze Bürgermeister Wilhelm Benz, wieder Leute zu motivieren in der Feuerwehr Dienst zu tun. 1955 stimmt die Gemeindevertretung der Anschaffung eines Löschfahrzeuges zu.

Der Wassertank dieses Fahrzeuges eröffnete den Wehrmännern nun ganz neue Möglichkeiten der Brandbekämpfung. Die nun größeren technischen Anforderungen erforderten auch eine besseren Ausbildungsstand.

1960-1970

Das 50 jährige bestehen in Verbindung mit dem Kreisverbandstag wird vom 3. bis 5. Juni 1961 mit einem Jahr Verspätung gefeiert. Unter der Leitung von Karl Jung und dem in dieser Richtung ja schon erfahrenen Friedrich Lang, schafft es die Feuerwehr Weilmünster ein herrliches Fest auszurichten. Trotz heftigem Regenwetter und Hochwasser werden die älteren Bewohner des Fleckens sich noch gerne an die Schlammschlacht erinnern. Für die damals Verantwortlichen war es bestimmt ein erhebendes Gefühl von der gesamten Bürgerschaft Anerkennung und freundliche Unterstützung gefunden zu haben. Nach der Ausrichtung des Festes  trat der altbewährte Kommandant Karl Jung von seinem Amt zurück. Am 18.12.63 wird Willi Golombek von der Versammlung zum Ortsbrandmeister gewählt. Zu seinem Stellvertreter wird Helmut Pflüger ernannt. Zum Ende der 60 er Jahre wurde ein VW - Bus angeschafft. So war wenigstens gewährleistet das in dem TLF nicht 10 oder gar 12 Kameraden, statt der erlaubten 6, zu Einsätzen fahren mussten.

1970-1980

Zu Beginn der 70 er Jahre macht man sich erstmals Gedanken Jugendlichen den Eintritt in die Wehr zu ermöglichen. Dieser Gedanke trat etwas in den Hintergrund , denn durch die Gebietsreform und die daraus resultierende Großgemeinde von 12 Ortsteilen beschäftigte auch die Feuerwehren. So wurde am 26.2.72 Richard Schweitzer aus Möttau zum Ortsbrandmeister gewählt. Die Kommandanten der einzelnen Wehren nannte man jetzt wieder Wehrführer. Die Technische Ausstattung wurde durch die Anschaffung einer 18 m Leiter auf einem Magirus Fahrgestell, sowie die Beschaffung eines LF 8 auf Opel  Fahrgestell , erheblich verbessert. Im Laufe des Jahres 75 mußte Kamerad Golombek aus gesundheitlichen Gründen sein Amt aufgeben. Diese Aufgabe übernahm zunächst kommisarisch, später von der Versammlung gewählt, der agile Hans Hermann Scherber. In seine Dienstzeit fallen einige Aktivitäten und Geschehnisse die die Feuerwehr Weilmünster gewaltig nach vorne brachten. Da ist zunächst die Gründung der Jugendfeuerwehr am 1.10.75 zu nennen. 1977 machte sich die Jugendfeuerwehr erstmals auf den Weg um die Partnerschaftsgemeinde Le Cheylard zu besuchen. Daraus hat sich eine gute Freundschaft zu den französischen Kameraden entwickelt, die bis heute Bestand hat. Ein Ausflug der Jugendfeuerwehr an die Ostsee, in die Nähe von Kiel, bescherte uns eine weitere freundschaftliche Verbindung. Diese Freundschaft besteht seit 1979 und wird durch gegenseitige Besuche aufrechterhalten. Die Mitglieder Entwicklung in der Einsatzabteilung, so nennt man jetzt die aktive Truppe, ist sehr positiv. Auch die Mitgliederentwicklung im Verein Feuerwehr wird erheblich gesteigert, hier wirkt sich die Öffnung in Richtung passive und fördernde Mitglieder im Brandschutzhilfeleistungsgesetz aus. In der Amtszeit von Kam. Scherber, ja besser als „Schorsch " bekannt, fand auch eine weitere Technisierung statt. In Eigenhilfe wurde ein Ford - Bus, gespendet von einer ansässigen Firma, zum MTW ausgebaut.

1980-1990

1981 wurde dann das alte Tanklöschfahrzeug durch ein neues TLF 16/25 mit hydraulischem Rettungssatz ersetzt. Durch die Vorhaltung dieser Rettungsgeräte wurde logischerweise auch das Aufgabengebiet erweitert.

Der erste schwere Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen brachte die Einsatzkräfte in schwere Verlegenheit, besonders die Verarbeitung des Geschehens nach dem Einsatz. Allerdings wurde auch die Ausbildung in diese Richtung forciert. Jetzt standen 4 FW Fahrzeuge in der Fahrzeughalle und es war an allen Ecken und Enden verdammt eng. So wurde die Initiative ergriffen und das bestehende Gerätehaus in Eigenhilfe erweitert. Neue Tore wurden angebracht, eine Werkstatt und ein kleiner Raum für die Jugendfeuerwehr wurden angebaut. Die Misere des fehlenden Schulungsraumes wurde mit der Beschaffung eines Schulpavillons aus Camberg behoben. In dem neuen Tanklöschfahrzeug war erstmals ein Funkgerät zur Verständigung mit der Leitstelle. Mit dem Einsatz dieser neuen Technik wurde auch eine Umstellung des Alarmsystems erforderlich. So wurden die ersten Funkalarmempfänger beschafft. Durch die Wahl von H.H. Scherber zum Ortsbrandmeister der Großgemeinde Weilmünster Gibt es auch erneut einen Führungswechsel bei der FF Weilmünster. Der bisherige Stellvertreter und Jugendfeuerwehrwart Karlheinz Schliffer wird zunächst kommissarisch und später auch zum Wehrführer gewählt. Zum Stellvertreter und Jugendwart wird Reinhard Tyl gewählt. Die Öffnung für eine Mitgliedschaft von Frauen in der Einsatzabteilung erhitzt zeitweise die Gemüter der Vorstandsmitglieder. Das normale Geschäft geht weiter, aber große Dinge stehen an. Es gilt das 75 Jährige Vereinsjubiläum vorzubereiten. Den Haufen Arbeit hier im einzelnen aufzuführen ist eigentlich müßig. Vom 7. - 10.1985 fand auf dem Festplatz dann ein Riesenfest verbunden mit dem Kreisverbandstag statt.

Im Jahr 1989 wurde die neue Drehleiter DLK 18-12 CC von Bürgermeister Pfeiffer an die Wehr übergeben.

Die Ersatzbeschaffung der Drehleiter und die Öffnung der ehemaligen DDR eröffnete eine neue Partnerschaft.

Die alte Drehleiter ging durch Vermittlung von Bürgermeister Pfeiffer nach Frauenstein im Erzgebirge. Was lag also näher, als sich unser altes Gerät in neuer Umgebung, einmal anzuschauen. Auch daraus entstand eine Verbindung die durch gegenseitige Besuche gepflegt wird. Wir Freuen uns aus Frauenstein Vertreter begrüßen zu können.

1990-2000

Das in die Jahre gekommene LF 8 Opel Blitz wurde 1990 durch ein neues LF8 der Marke Iveco ersetzt. Im Jahre 91 trat Wehrführer Schliffer nicht mehr zur Wahl an, blieb aber weiter Vorsitzender des Vereins Feuerwehr Weilmünster. Zum Wehrführer gewählt wurde Eckhard Dittmann. Allerdings trat dieser nach 1 ½ Jahren auf Grund seines Umzuges wieder zurück. Danach übernahm Schliffer für weiter 5 Jahre die Wehrleitung.  Nach einer etwas komplizierten Grundstückssuche konnte 1991 mit dem Bau des neuen Gerätehauses in der Feldbergstr. begonnen werden. Der Bau wurde durch Eigenleistung bei den Zwischendecken, Verputzerarbeiten, Anstrich und die Anlage der Außenanlage maßgeblich unterstützt. So wurden auch das vom Fest 1985 und anderen Veranstaltungen gesparte Geld z.B. in die Ausstattung der Küche, des Büros und des Aufenthaltsraumes investiert. Durch Eigenleistung und finanzielle Unterstützung konnten so für den Gemeindesäckel einige Mark gespart werden. Am 20.05.94 konnte so durch Innenminister Günther, Bürgermeister Pfeiffer ein stattliches Gerätehaus in Betrieb genommen werden. Im Mai 1996 wurde ein neuer Ortsbrandmeister gewählt da der bisherige Amtsinhaber Hans Herrmann Scherber mit erreichen der Altersgrenze nicht mehr zur Wahl stand. Zu seinem Nachfolger wurde Peter Schwarz gewählt und zum Stv. Jörg-Peter Scherber , beide sind Gründungsmitglieder der Jugendfeuerwehr Weilmünster. Im gleichen Jahr wurde auch ein neuer ELW in Dienst gestellt der einen Ford Transit ablöste.

Gleichzeitig mit der Übergabe wurden auch die ersten Brandschutzsicherheitsanzüge angeschafft die vom Land Hessen voll finanziert wurden. Als Nachfolger von Karlheinz Schliffer wurde im Januar 98 der Kam. Peter Schwarz gewählt. Der Vertreter des Wehrführers ist seit 1996 der Kam. Manfred Förster. Das 90 jährige Bestehen wurde am 17. Juni 2000 mit einem Kommers im Bürgerhaus Weilmünster gefeiert sowie 25 Jahre Jugendfeuerwehr. Eine Woche Später wurde mit einem Discoabend und Tag der offenen Tür die Feierlichkeiten beendet. Auf der Jahreshauptversammlung 2000 stand der langjährige 1. Vorsitzende Karl-Heinz Schliffer nicht mehr zur Wahl . Sein Nachfolger wurde Michael Quillmann der es bis zum heutigen Zeitpunkt auch noch ist.